Das explodierte Kolofonium

Eine Kundin kam mit genau diesem Kolofonium, dass sie ein Jahr zuvor gekauft hatte in die Werkstatt und wollte es reklamieren. Es wäre ihrer Tochter nicht heruntergefallen, sondern in der Hand explodiert. Eine halbe Stunde Aufklärung, dass so etwas nicht passieren kann, fruchtete nicht.....sie bekam ein neues Kolofonium zum halben Preis und lieferte mir damit eine schöne Anekdote.

Unter den Tipps und Tricks finden Sie weitere Infos zum Kolofonium.

Branchenverzeichnis

Dass man als Geigen - "Bauer" ziemliche Gurken aufarbeiten muss, kommt vor.
Das Angebot eines Branchenverzeichnisses, meine Werkstatt deshalb unter "Obst und Gemüse" eintragen zu wollen, ist nett gemeint, aber nicht ganz richtig. Auch schöne Instrumente befinden sich in der Werkstatt.

Geschichten aus Berlin

Aus der Berliner Geigenbauwerkstatt von Otto Möckel ist folgende Geschichte überliefert:
Es erscheint eines Tages eine Frau, der man die biedere Handwerksgattin auf den ersten Blick ansah und brach, die Geige ihres Sprößlings vorzeigend, in die Worte aus:
"Ach, Meister, bei meinem Jungen seine Jeije is hinten die Naht uffjejangen, können Sie mir die nich wieda zulöten? Denn müssen ooch die Knebel een bisken eingeschmiert werden, mein Willem hat schon öfta ruffgespuckt, aba sie rutschen imma wieda runter, da zieht ooch keene Spucke mehr."
Diesen im schönsten, waschechtesten Berliner Dialekt vorgebrachten Äußerungen braucht nichts weiter hinzugefügt zu werden. (Monatsheft für Geiger & Geigenbauer 1926)

Das gibt's noch....?

Vor einigen Jahren geschah mir dies tatsächlich als Trauzeuge:
Auf dem Standesamt nahm eine Frau die Formalitäten auf. Ich merkte, wie sie nach Angabe meines Berufes plötzlich ziemlich einsilbig und etwas verstört wirkte. Die Frau sammelte dann doch ihren ganzen Mut zusammen und fragte nur:
"Das gibt's noch...?"
Sie hatte bei meiner Berufsangabe "Galgenbauer" und nicht Geigenbauer verstanden. Wir befanden uns gerade in der Zeit des ersten Golfkrieges.....
Der Kollege Clas Reimers berichtete mir ähnliches in anderem Zusammenhang:....Genau die "Galgenbauer" Geschichte ist mir mal in der DDR-Grenzkontrolle passiert - als da der Grenzer voller Unglaube fragte und offensichtlich schon überlegte ob er seinen Vorgesetzten rufen sollte, wurde ich etwas nervös, aber es ließ sich dann doch aufklären..."
Fazit: Bei der Berufsangabe nie nuscheln, es könnte fatale folgen haben.....

UUUPS ! Ein Cello mit einem zweiten Stachel !

Man sollte als Geigenbauer nie glauben, schon alles gesehen zu haben. Als dieses Cello in die Werkstatt kam, trat erst einmal Verwunderung über die mit Tesa angeheftete Reißzwecke an der Zarge neben dem Halsfuß auf.
Der Lehrer hatte diese als Touschierbremse zur Vermeidung des geräuschvollen Kontaktes zur Zarge beim Wechsel in die 4.Lage angebracht. Wer hier schön spielen will, muss leiden.......

Bitte nicht nachmachen!

Hier waren wohl nicht mehr alle Haare im Splint, oder 'ne Schraube locker ?
Was wie ein Bilderrätsel aussieht, kam so in die Werkstatt. Ein hemmungsloser Heimwerker wollte seinem Sohn übers Wochenende das Üben ermöglichen, als der Keil rausflog. Erstaunlich nur, dass es nicht zum Totalschaden kam.....


Der Klempnersteg

Eine Geige tauchte gerade als Erbstück in meiner Geigenbauwerkstatt mit der Bitte zum Wiederherrichten auf.

Meine vorsichtige Anfrage: "Da war doch kein Fachmann am Werk" -zumal der Steg auch noch an die Decke festgeleimt war - , wurde von der Besitzerin dementiert. Ihre Aussage: "Mein Opa war Klempner und er hätte den Steg nach allen Regeln der statischen Kunst zusammengefügt." machte mich sprachlos......

die statische Leistung des Klempners könnte man als V-Technik bezeichnen und wurde beidseitig ausgeführt..

in gewisser Hinsicht war es jedoch rührend, wie die größväterliche Handwerksleistung verteidigt wurde. Es änderte an dem Ergebnis jedoch nichts. Der musste erneuert werden.

Das war noch nicht alles:

Die abschließende Frage der Dame: "was ist denn der Unterschied zwischen einer männlichen und einer Damengeige" überstieg fast meine Schlagfertigkeit. Ich hab darauf geantwortet: "Na ja, vielleicht haben die Damengeigen ja zierlichere Taillen." (C-Bügel)

Summarumarum: Solche Erlebnisse beleben den Berufsalltag eines Geigenbauers

Die ausgefallenen Ideen

Landstreicher

Landstreicher

Während einer Jugendorchesterfreizeit ereilte Christian Adam die Idee, falsch herum Fahrrad zu fahren. Da dabei "der Hintern" lenkt sind die Hände frei für Besseres - zum Geige üben.....
Das Resultat kam später mit 60,45 km Gesamtstrecke ins Guinnessbuch der Rekorde / Rubrik Quatschrekorde.
Bei diversen Auftritten kam es auch zu weiteren ungewöhnlichen Begegnungen. Z.B. in Shanghai mit John Evans.
Auf dem Kopf ballancierend wurde das Lied "Guten Abend, gute Nacht" zelebriert.

Der kleine Immobilienmakler

Ein kleiner Geigenschüler wurde von seiner Lehrerin in meine Werkstatt geschickt um "Kalifornien" zu kaufen. Er hatte wohl nicht richtig zugehört. Kolofonium war gemeint. Übrigens, nach "Grammophon" wurde in diesem Zusammenhang auch schon mal gefragt.

Ein Ping & der Handschuh

Kleine Neckereien erhalten die Freundschaft.
Ein Solocellist erzählte mir einmal folgende Geschichte, die ihm auf einer Konzertreise passierte:
Bei der letzten Vorstellung ertönte bei jedem Bogenstrich ein irritierendes "Ping". - Was war passiert? Jemand hatte ihm kurz vor der Vorstellung ein Haar am Bogen herausgerissen und dieses fest um ein paar andere Haare des Bogens geknotet. So verursachte dieser "Gnubbel" immer wieder ein leises "Ping".
Der Übeltäter war schnell herausgefunden - es war der befreundete Fagottist . Die Rache folgte bei einem späteren Konzert. Ein Medizienerhandschuh wurde mit Tesafilm oben in die Öffnung des Fagottes geklebt. Im Forte bei tiefen Tönen erschien dann die drohende Hand....

Alles Blech

Wenn Ihre Geige scheppert, haben Sie möglicherweise auch eine Blechgeige. Bitte dann möglichst regelmäßig einen Ölwechsel vornehmen, damit es bei den Lagenwechseln nicht quietscht und alle 10.000 gespielte Noten die Nahtstellen überprüfen lassen. Aber bitte nicht beim Geigenbauer...

Missverstanden

Aufgrund eines anstehenden Konzertes trieb es zwei etwa 12 jährige Jungs mit der Frage nach einer möglichst baldigen Bogenbehaarung in meine Geigenbauwerkstatt.
Die Antwort: "Das trifft sich ja gut, morgen habe ich meinen Behaartag" wurde (evt. aus pubertärem Hintergrund) gründlich mißverstanden. Unter Lachen musste ich dementieren, dass der morgige Tag weder mein " BH-Tag " ist, noch dass das Tragen von Röcken ansteht.

Die bombenfeste Stütze

Da lebt was in meiner Geige...

Die kleine Isabel weigerte sich plötzlich ganz standhaft Geige zu üben. Nach einigen Ermahnungen rückte sie dann mit der Sprache heraus:
" Da lebt was in meiner Geige !"
Das Problem war schnell gefunden. Staubfäden hatten sich zu einem Knäul zusammengefunden und sausten als "Wollmaus" durch das Innere der Geige. Durch das F-Loch ließ sich der Spuk beseitigen.

Geigen-Teekesselchen

Die Kopfplatte

Gemeinsamkeiten: Beide lassen sich auf hochglanz polieren

Der Unterschied: Nur die eine lässt sich wieder behaaren.

Die Reisebegleitung einer Dame vor 80 Jahren

Geigen können Geschichten erzählen - diese besonders.... Eine Kundin brachte sie als Erbschaft einer verstorbenen reiselustigen alten Dame in meine Werkstatt.
So wie andere Leute ihre Reisetaschen mit Ortsaufklebern zukleistern, verewigte diese Dame ihre Reiseaufenthalte in den '20 und '30er Jahren des 20Jh. auf ihrem ständigen Wegbegleiter - ihrer Geige. Z.B. Silvester 1930 in Altona....New York, Cansas City, Pillau...für die damalige Zeit eine sehr umtriebige Frau !

Die kleine Latte

Dass ein Spieler nach jahrelangem Gebrauch plötzlich unter dem linken Stegfuß "eine kleine Latte" bemerkt und "dieses Ding" nun raus haben will, weil er seinen Zweck nicht kennt (er hatte den Bassbalken entdeckt !), dürfte ein schon seltener vorkommender Fall sein, passiert ist er aber

Das Konjunkturpaket

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Kann Kolofonium schlecht werden?

Diese Frage stellte ein Orchesterleiter eines kleinen Schulorchesters.
Die Geigen wollten wärend einer Probe nicht so recht klingen. So nahm er beherzt aus einem Schülerkasten das kleine "Kolofonium" und rieb alle Bögen damit ein. Mit durchschlagendem Erfolg. Die Geigen wurden stumm. Nun kam er mit diesem "schlecht gewordenen Kolofonium" in meine Werkstatt, ließ es begutachten und.... er hatte ein Stück alte Kernseife genommen. So kam es zu einer Unterweisung im Bogenhaare auswaschen.

Teekesselchen

Safer Music

Ein Kollege erzählte mir, was er beim Öffnen eines Cellos im Korpus fand...
Der Musiker muß wohl ein besonderes Verhältnis zum Instrument gehabt haben.
das Innenleben des Cellos verbarg ein Kondom.

Um alle Klarheiten zu beseitigen:
Ein Cello ist ein Streicheltier und kein Säugetier!

Gähnende Leere

Als wir mit dem Schulorchester nach Kiel reisten (ca.120Km), um dort ein Konzert zu geben - es war ausgerechnet mein erstes Konzert als Konzertmeister - musste ich feststellen, dass ich vor lauter Aufregung nur den leeren Geigenkasten, immerhin mit Noten mitgenommen hatte.
Der dortige Musiklehrer Herr Hasenjäger half aus und überreichte mir eine (schrecklich stinkende) Geige vom Dachboden.

Hat auch nicht geholfen....

Deutschland ist nicht Europameister geworden.
Der Cellist eines großen bekannten Sinfonieorchesters hat Farbe bekannt.
Sein Pfretzschner Cellobogen fiel nicht nur dem Rotstift zum Opfer, nein auch ein schwarzer Edding mußte herhalten. Nur mischten sich beim Spielen die Farben und ein lila Farbgemisch entstand, das sich als schwer zu reinigender Film auf den Saiten absetzte. Die Kollegen weigerten sich, den Bogen auszuprobieren.....

Sonderbarer Kinnhalter 1

Dieser elegante Kinnhalter trägt die Brandmarke "SASS Gebr. Muster Sch." Ob die Abkürzung "Sch." für "Schweißdrenage" oder einfach nur "Schnulli" steht ließ sich nicht herausfinden.

Sonderbarer Kinnhalter 2

Dieses Modell ähnelt eher einer Sofaecke im Kleinstformat, als an einen Kinnhalter. Oder wurde er als "Doppelkinn-Halter" mit besonders viel Platzfreiheit konzipiert ? Für den normalen Geiger ist es sicherlich keine schmerzfrei Erfindung.

Fälschungen

Kein Geigenbauer wurde so oft gefälscht wie Stradivari.
Die Bezeichnung Stradi"unwahr"i wäre hier viel treffender.

Das neue Konjunkturpaket für Geigenbauer kommt aus den USA. Bei anständiger Verbreitung und Inanspruchnahme der gezeigten Reparaturanleitungen für den Eigenbedarf sollte es nicht lange auf sich warten und die Auftragslage für Folgereparaturen ist auf Jahre gesichert.

Erzählen Sie Ihre Geschichte:

Ohne Humor wäre das Leben nur halb so schön. Wenn Sie eine Geschichte oder ein Bild haben, dass hierher passt, erweitere ich gerne diese Rubrik.

Bilder schicken Sie mir bitte per E-Mail Anhang



Auch diese Geschichten unterliegen dem Copyright und dürfen nur mit Genehmigung der Geigenbauwerkstatt Adam kopiert werden.








Erste oder Zweite Geige

Die Frage, worin der bauliche Unterschied zwischen einer ersten und einer zweiten Geige besteht, konnte auch nur von einem absoluten Laien kommen, der sich auf musikalischem Neuland bewegt. (Aus dem Monatsheft für Geiger & Geigenbauer 1926)


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